In einem kleinen Ländchen, das auf den Namen Hessen hört, kämpft sich eine kleine Band durch die Horden der Trendfolger und weicht nicht vom Pfade ab. Und fürwahr, die Band ELVENPATH steht für klassischen, melodischen Metal und legt mit „Spyrol“ einen fettönenden Longplayer mit sieben Songs vor (davon überschreiten drei auch mal locker die 7-Minuten-Grenze). Gitarren-Elf Till Oberboßel beleuchtet mit uns die Entstehung von „Spyrol“ und die zu erduldenden Besetzungswechsel der letzten Zeit.

-ELVENPATH wurde ja durch einige Besetzungswechsel gebeutelt. Verlier' doch mal ein paar Worte darüber.

Da ging bei uns in der Tat einiges rund. 2004 brach die „Gateways“-Besetzung auseinander, als Michael und Martin die Band verließen, um sich anderen Musikstilen zu widmen. Seitdem haben wir eigentlich konstant Besetzungsprobleme…es hat ein halbes Jahr gedauert, die Band wieder zu vervollständigen, aber auch dann kamen und gingen einige Mitglieder aus verschiedenen Gründen. Der eine verließ die Band nach zwei Gigs, weil er dann immer noch kein Star war und kein Geld verdiente, dem anderen fiel nach einem Jahr auf, daß er eigentlich gar keinen Power Metal machen wollte, wieder ein anderer hatte keine Zeit mehr etc…es nahm wirklich kein Ende. Auch die Besetzung, die auf dem neuen Album zu hören ist, ist bereits wieder Geschichte: Markus war mit Familie, Job und Weiterbildung zu sehr ausgelastet, Anastasia hatte ebenfalls keine Zeit mehr und Tim wollte lieber in einer Band singen, mit der es schneller vorwärts geht. Alles nachvollziehbare Gründe, aber Cris und ich stehen im Moment zu zweit da und bemühen uns, geeignete Leute zu finden, um Elvenpath fortzuführen, denn aufgeben wollen wir die Band nicht. Ich hoffe, daß wir diesmal ein etwas besseres Händchen und etwas mehr Glück haben, damit die nächste Besetzung länger besteht und wir auch etwas zielstrebiger weitermachen können, denn sonst hätten natürlich keine viereinhalb Jahre zwischen „Gateways“ und „Spyrol“ gelegen.

-Anscheinend ist heutzutage immer noch nicht so einfach, einen vernünftigen Plattendeal zu ergattern, denn ich weiß ja, dass ELVENPATH engagiert bei der Sache sind, aber immer noch auf der Schiene Eigenregie fährt. Und läuft es wenigstens auf der Live-Ebene besser?

Wir haben uns ja um einen Deal bemüht, aber da kam leider nichts Vernünftiges zustande, so daß wir „Spyrol“ erneut als Eigenproduktion veröffentlicht haben. Zum Glück ist das heutzutage möglich, ohne gleich einen riesigen Kredit aufnehmen zu müssen. Trotzdem wäre es schön, wenn wir die nächste Scheibe mal über ein Label veröffentlichen können, da wir uns davon auch einen besseren Vertrieb versprechen, obwohl wir uns natürlich bemühen, „Spyrol“ möglichst weit zu verbreiten. Live lief es in den letzten Jahren aber ganz gut, immerhin konnten wir 2006 sogar anderthalb Wochen mit Skyclad auf Tour gehen. Gerade für eine ungesignte Band nicht selbstverständlich und gleichzeitig eine tolle Erfahrung. Skyclad waren sehr nett und fair zu uns, wir haben ordentliche Spielzeit und Soundcheck bekommen und mußten nicht einmal Toursupport bezahlen. Auch wenn die Gigs nicht so gut besucht waren, hat es doch großen Spaß gemacht und Elvenpath sicher etwas vorangebracht. Außerdem bin ich seit „Jonah’s ark“ großer Skyclad-Fan, daher war es für mich wirklich etwas besonderes, mit der Band touren zu können.
Aktuell sind aufgrund unserer mangelhaften Personalsituation keine Konzerte angesetzt, aber ich hoffe natürlich, daß wir 2009 wieder öfter auf die Bühne können.

-Trotzdem habt ihr mit "Spyrol" eine fette Produktion aufgefahren und ein professionelles Booklet dazugepackt. Es geht anscheinend doch was, wenn man ordentlich Geld, Zeit und Eigeninitiative investiert. Auch wenn's weh tut?

Da haben wir in der Tat einige Sparschweine schlachten müssen, aber das war einfach nötig. Die ersten beiden Demos haben wir in Eigenregie am Rechner aufgenommen, und das hört man leider auch. Daher war klar, daß wir diesmal in einem richtigen Studio aufnehmen wollten, und ich finde, die Produktion ist zigmal besser ausgefallen als bisher. Insofern hat sich das Geld wirklich gelohnt. Auch das Cover haben wir diesmal nicht selbst angefertigt sondern einen professionellen Künstler damit beauftragt. Unsere Bandkasse ähnelt derzeit entsprechend einem schwarzen Loch, aber ich finde, das Ergebnis ist es wirklich wert. Wir sparen auch bereits für die nächste Produktion, hehe.

-Einige Songs waren ja schon auf der vorab veröffentlichten EP enthalten. Aber das war ja von Anfang an so geplant, weil die EP ja ...

…lediglich eine nicht für den Verkauf bestimmte Promo-CD war, um einen Deal zu ergattern und die Presse etwas wachzurütteln, nachdem es von uns so lange nichts zu hören gab. Leider hat es mit dem Vertrag ja nicht geklappt, sonst wäre „Spyrol“ wohl schon ein Jahr früher erschienen, da das Album ja bereits fertig war. Aber was soll’s – ich bin froh, daß das Album jetzt endlich draußen ist und soweit auch recht gut ankommt.

-Mit eurer Mucke versucht ihr nicht anderen Gruppen nachzueifern, wobei Ähnlichkeiten nicht auszuschließen sind. So erinnert mich der Opener vom Ohrwurmpotential her stark an Gamma Ray/Helloween. Aber im Grunde sehe ich euch - ihr euch mit Sicherheit auch - als klassische Metalband. Das unterstreichen gerade die Old School-igen Gitarrensoli. Aber ... ist dir eigentlich aufgefallen, dass das Riff von "Late At Night" dem Riff von "Daze Of Avalon" von Metal Inquisitor stark ähnelt. (Ich will euch aber hier keine Absicht unterstellen - mit 'nem Freibier auf dem nächsten Festival ist das ganz vergessen, hehehe.)

Eine gewisse Ähnlichkeit ist da in der Tat vorhanden, aber ich bin sicher, daß unser ehemaliger Gitarrist, der „Late at night“ überwiegend geschrieben hat, Metal Inquisitor nicht kennt. Das Riff klingt halt nach klassischem NWOBHM-Stoff, genau wie Metal Inquisitor auch, hehe. Es ist in unserem Musikstil schwierig, etwas vollkommen Neues zu machen. Im traditionellen Metal wird es immer neue Songs geben, die teilweise an ältere Nummern erinnern, das passiert einfach automatisch. Auf sechs Saiten mit 24 Bünden kann man halt nur eine begrenzte Anzahl an Riffs und Akkorden spielen, und so ziemlich alle waren schon mal da. Wir klauen nicht absichtlich, aber wir bemühen uns auch nicht krampfhaft, das Rad neu zu erfinden und werden einen guten Song nicht wegwerfen, weil er Ähnlichkeiten zu einem anderen Song aufweist. Ansonsten müßten wohl viele junge Nachwuchsbands die Gitarre gleich an den Nagel hängen, denn derartige Ähnlichkeiten wird es immer geben. Ein Freibier beim nächsten KIT ist aber schon drin, keine Sorge, hehe.

-Texte scheinen euch sehr wichtig zu sein, denn die Bemerkungen zu den einzelnen Songs im Booklet sollen die Hörer wohl zumindest in die richtige Richtung lenken!? Überhaupt könnten manche aufgrund des Bandnamens denken, ihr würdet immer nur mit Spitzohrprothesen die hessischen Wälder unsicher machen, um mit Bogen und Schwert alles zu massakrieren, was einem Ork ähnlich sieht (Obwohl, wenn dem so wäre, wüsste ich bestimmt ein paar Arbeitskollegen, die ich vorbeischicken könnte) und als Band nur Fantasy-Texte á la D&D und Der Herr der Ringe (dagegen habe ich auch nichts) verzapft. Im Gegenteil, es überwiegen reale, ernste Themen - u.a. gerade den Text zu "The Mask Of Sorrow" fand ich sehr interessant.

Wir hatten von Anfang an sowohl Fantasy-Texte als auch solche mit realem Hintergrund, und das wird es bei Elvenpath auch weiterhin in dieser Form geben. Diesmal überwiegen die realen Texte, weil es da einfach mehr gab, was mich aufgewühlt und genötigt hat, einen Song darüber zu schreiben. Ob Quorthons Tod, der unsägliche US-Präsident, der zum Glück bald das Weiße Haus räumen muß, oder eben die Situation muslimischer Frauen, die im Namen der Religion unterdrückt werden – da hat sich so manches angesammelt. Es ist sicherlich ein heißes Eisen, über den Einfluß des Islams auf die hiesige Gesellschaft zu sprechen, aber ich beobachte seit Jahren, wie hier von manchen Menschen Religion dazu benutzt wird, Menschenrechte, die in unserer Gesellschaft als selbstverständlich gelten, zu unterwandern. Ich bin im bürgerlichen Beruf Sozialarbeiter und werde da bei islamischen Familien ziemlich häufig mit Themen wie häusliche Gewalt, Zwangsheirat, Ehrenmord konfrontiert. Natürlich darf man nicht alles über einen Kamm scheren und verallgemeinern, aber man darf ebenso wenig die Augen verschließen und alles schönreden. In „The mask of sorrow“ wird dieses Thema natürlich nicht erschöpfend behandelt – das ist in fünf Minuten auch nicht möglich -, aber vielleicht ist es für den einen oder anderen ein Denkanstoß und ein Anlaß, sich damit weiter zu beschäftigen. Damit der Hörer auch weiß, worum es geht, haben wir zu jedem Text eine kurze Anmerkung ist Booklet gepackt.
Und auch die beiden Typen vom HOA seinerzeit finden jetzt vielleicht mehr Gefallen an uns, obwohl wir immer noch keine AC/DC-Texte schreiben, haha. (Till versuchte damals Demos an den Mann zu bringen, konnte meine beiden Campingnachbarn aber nicht überzeugen! – Marco)

-Für die Lyrics bist alleine du zuständig - musikalisch bist du auch der Hauptakteur. Fällt es dir eigentlich leichter über reale oder über fiktive Themen Songtexte zu verfassen.

Je nachdem – auf dem neuen Album waren es vor allem die realen Themen, aber es wird bei Elvenpath sicherlich auch weiterhin Fantasy-Texte geben. Texte schreibe ich, wenn mir danach ist und ich das Gefühl habe, daß da etwas in mir steckt, was raus muß. Wenn ich mich einfach hinsetze und versuche, einen Text zu schreiben, ohne dazu den rechten inneren Anstoß bekommen zu haben, kommt nichts dabei heraus, das gilt für Fantasy-Texte ebenso wie für solche mit realem Hintergrund. Da aber jeden Tag sehr viele seltsame Dinge in der Welt passieren und ich nach wie vor gerne Fantasy-Bücher durchschmökere, mache ich mir aber keine Sorgen, daß mir die Inspiration eines Tages ausgehen könnte.

-Der Tod Quorthons scheint dich tief getroffen zu haben!?

Auf jeden Fall. Bathory war, seit ich 14 bin, eine meiner absoluten Lieblingsbands, Quorthons Musik hat mir immer unheimlich viel bedeutet und mir über so manche schwierige Situation hinweggeholfen. Daher war ich über seinen plötzlichen Tod sehr schockiert; das war, als hätte ich einen engen Verwandten oder Freund verloren. Und ich wollte ihm ein Denkmal setzen und einen Song für ihn schreiben, ein Requiem, um ihm vielleicht etwas davon zurückzugeben, was seine großartige Musik mir gegeben hat. Ich muß gestehen, daß ich auf den Song wirklich stolz bin, und ich habe schon einige Reaktionen von Bathory-Fans bekommen, die sich von dem Song sehr berührt zeigten, was ich als große Ehre empfinde.

-Für eine Band mit dem Namen ELVENPATH blickt ihr im Booklet aber ziemlich düster drein. Ihr scheint wohl eher Dunkel-Elfen zu sein?

Wir sind ja auch nicht Freedom Call, hehe. Vermutlich haben die alten Lederhosen, die vor ein paar Jahren noch wunderbar paßten, derart am Bauch gekniffen, daß uns bei der Fotosession nicht nach Lächeln zumute war. Und schließlich lautet unsere Maxime „Power Metal ist Krieg“, da wird nicht gelacht!

-Da du sowohl als Musiker als auch als Fanzine-Schreiber (Totentanz) durch die Metalszene marschierst, erzähl' doch mal wie du dieselbe heuer beurteilst!

In erster Linie nehme ich die Szene einfach als Fan wahr, in zweiter Linie als Musiker und erst in dritter Linie als Chronist. Überwiegend finde ich die Szene sehr gut, denn es gibt zahlreiche gute Bands, es werden viele gute Alben veröffentlicht und es finden zahlreiche Konzerte statt. Man darf nicht vergessen, daß die Metalfans vieler anderer Länder neidisch zu uns rüberschauen, weil es bei ihnen dieses Angebot nicht gibt. Allerdings hat das natürlich auch den Nachteil, daß der Fan heillos überfordert ist, da so viele Bands um seine Gunst buhlen, daß er gar nicht mehr weiß, wo er seine Kröten ausgeben soll. Vielleicht wäre es gut, wenn die Szene mal etwas schrumpfen würde, andererseits bemühe ich mich ja auch, mit Elvenpath alles weiter zuzuspammen, also woher hätte ich das Recht, anderen ihre Aktivitäten zu untersagen?
Schon in den 80ern tauchte ja der Begriff „Gesundschrumpfung“ auf, aber seitdem ist eher das Gegenteil der Fall, was aber auch nicht verwundert: Es gibt den Metal immer länger (mittlerweile knapp 40 Jahre), alte Bands sind immer noch aktiv oder reformieren sich, neue Bands stoßen dazu. Es gibt mittlerweile halt nicht mehr nur eine Generation von Metalmusikern sondern deren zwei oder gar drei, daher wächst die Szene immer weiter an. Damit verbunden sind dann sinkende Verkäufe und Zuschauerzahlen, da sich das Geld der Fans auf mehr und mehr Bands verteilt.
Hierin (und nicht im verteufelten Medium Internet) sehe ich die Ursache für die Umsatzeinbußen, die viele ältere Bands beklagen. Sie werden heutzutage mit einer für sie ungewohnten Situation konfrontiert, denn in den 80ern gab es einfach noch deutlich weniger Bands. Oft schieben sie es dann aufs Internet, aber ich kenne kaum Fans, die sich nichts mehr kaufen, weil sie alles umsonst aus dem Netz bekommen. Die meisten Fans kaufen immer noch die Originale, da sie eine „richtige“ CD mit Cover, Booklet etc. wollen. Nur ist es eben heutzutage keine Selbstverständlichkeit mehr, daß man sich jedes Album jeder Band, die man mag, kaufen kann.
Der Fan entscheidet aber immer noch selbst, wofür er sein Geld ausgibt, und wer über schlechte Verkäufe jammert, sollte sich vielleicht einfach mal fragen, warum die Leute nicht seine Platten kaufen sondern die einer anderen Band. Und wem die Zuschauer beim Konzert wegbleiben, der kann reflektieren, ob vielleicht der Eintrittspreis zu hoch ist oder die Spielzeit auf der letzten Tour zu mager.
Alles in allem wird viel geboten, und man kann sich wirklich nicht über einen Mangel an guten Konzerten und Veröffentlichung beschweren. Ich finde es nur schade, wenn beispielsweise junge Fans sich gar nicht mehr die Mühe machen, die Szene zu entdecken sondern einfach alles schlucken, was große Labels (und mit ihnen große Magazine, die eher als Kataloge der geldgebenden Labels fungieren) als essentiell anpreisen. Ebenso schade finde ich das andere Extrem; bornierte Gralshüter, die mit Brett vor dem Kopf alles anbeten, was kein Mensch kennt und deswegen logischerweise genial sein muß. Aber im Endeffekt kann jeder hören, was ihm gefällt, und da haben wir wieder die positive Seite des Überflusses, in dem wir leben. Wenn in Ägypten Metalfans wegen langer Haare und schwarzer Shirts hinter Gitter wandern oder indonesische Fans jahrelang sparen müssen, um einmal nach Deutschland fliegen und das Wacken Open Air erleben zu können, sollten wir hier wirklich dankbar sein, daß wir unserer metallischen Leidenschaft so problemlos nachgehen können, statt auf stark erhöhtem Niveau zu jammern.
Genug gelabert, immerhin soll das ja auch noch ins Heft passen…vielen Dank an dich für dein Interesse an Elvenpath und das Interview! Viele Metalgrüße an alle Leser, besucht uns mal auf www.elvenpath.com oder www.myspace.com/elvenpathmetal. Unterstützt den Underground und laßt euch nicht vorschreiben, was für Musik ihr zu mögen habt. Power Metal ist Krieg!

Text: Marco