ELVENPATH Interview
mit Till Oberboßel (g)

1. Wie geht's, Till, die Festivalsaison gut überstanden und nebenher ordentlich Werbung für'n ELVENPATH-Debutlongplayer „Spyrol“ gemacht?

Hailo! Danke der Nachfrage, die Festivalsaison war schön, auch wenn ich diesmal zeitlich bedingt nur auf drei Festivals war (Bang Your Head, Hell’s Pleasure und Headbangers Open Air), was für meine Verhältnisse eher wenig ist. Nächstes Jahr geht da hoffentlich wieder etwas mehr. Werbung habe ich natürlich viel gemacht und eine ganze Reihe Promos ver-teilt, ich hoffe, daß sich das auch in den Verkäufen niederschlägt. Bislang sind aber die Reviews überwiegend positiv, und die Scheibe geht auch ganz ok weg, also können wir da ganz zufrieden sein.

2. Nach dem gleichnamigen 3 Track-Appetizer vom vorigen Jahr hatte scheinbar kein Label Interesse, Euch einen Deal anzubieten, oder meldeten sich doch ein paar Interessenten? Alle mir bekannten Reaktionen der Print- und Internetpresse fielen doch recht positiv aus. Warum also als Eigenveröffentlichung?


Wir hatten Angebote eines deutschen und eines italienischen Labels. Aber ersteres war eigentlich von den Bedingungen her eher eine Unverschämtheit, während das italienische Label es nicht fertigbrachte, uns den Vertrag zu schicken und irgendwann auch keine E-Hails mehr beantwortete. Somit blieb nur die Option, das Album selbst zu veröffentlichen. Ich hoffe, daß wir die nächste Scheibe dann doch mal über ein gescheites Label rausbringen können, da wir uns davon einen besseren Vertrieb erhoffen.

3. Das Album war zu der Zeit bereits im Kasten, hätte nur noch übernommen werden müssen, wenn ich richtig im Bilde bin. Der Dreitracker wurde lediglich sozusagen zur Promotion vorab ausgekoppelt.


Das stimmt, das Demo wurde nicht offiziell veröffentlicht. Wir haben die Arbeit am Album im Februar 2007 abgeschlossen und anschließend versucht, mit dem Demo zum einen der Presse etwas neues von uns vorab zu präsentieren, zum anderen eben ein Label zu finden. Hätten wir das nicht versucht, wäre „Spyrol“ entsprechend ein Jahr früher erschienen, aber wie das Leben so spielt...Hauptsache das Album ist jetzt endlich draußen.

4. Soundmäßig ist alles paletti, traut man einer Aufnahmelocation namens „Kohlekeller Studios“ kaum zu, könnte man fast meinen, dort wird noch auf alten dampfbetriebenen Bandmaschinen aufgenommen, gemixt & Co!


Der Name täuscht, das Kohlekeller-Studio ist ein kleines, nicht so arg teures, dafür aber richtig gutes Studio mit hochwertigem Equipment, welches sich etwa eine Dreiviertelstunde südöstlich von Frankfurt im tiefsten Odenwald befindet. Die bekanntesten Bands, die dort schon gearbeitet haben, sind vermutlich Agathodaimon und Crematory, ansonsten haben dort schon u.a. Viron, Killer, Dragonsfire und eine ganze Reihe Metalcore-Bands aufgenommen. Das Studio heißt übrigens so, weil der Besitzer bis vor kurzem noch Kristian Kohlmannslehner hieß (mittlerweile hat er geheiratet und den Namen seiner Frau angenommen), aber alle kennen ihn nur unter „Kohle“.

5. Seit der „Gateways“ – Demo CD von 2003 verstrich bis zur „Spyrol“ – EP viel Zeit, lag's am erneuten Line Up-Wechsel? Wenn ich nicht irre, sind nur noch Du und Christian Flindt von Anfang an dabei, Sänger Tim, Drummer Markus sowie an der zweiten Gitarre Anastasia sind relativ neu in der Band.


Zum einen verstrich ja ein Jahr, das wir mit Labelsuche verbracht haben (s.o.), zum anderen hatten wir aber auch mehre-re Besetzungswechsel, die uns immer wieder ausgebremst haben. Wenn neue Bandmitglieder alte Songs lernen müs-sen, kann man nicht gleichzeitig an neuem Material arbeiten. Außerdem mußten wir die Arbeiten am Album unterbre-chen, als wir das Angebot bekamen, mit Skyclad auf Tour zu gehen, das konnten wir natürlich nicht ausschlagen. Die Besetzung, welche auf dem Album zu hören ist, ist mittlerweile leider auch schon wieder Geschichte. Elvenpath bestehen im Moment aus Cris und mir, da Markus bereits in der Endphase der Produktion ausgestiegen ist (zuviel zu tun mit Familie, Job und Weiterbildung) und auch Anastasia und Tim vor kurzem die Band verlassen haben (keine Zeit mehr bzw. keine Lust, Zeit in eine Band zu investieren, die nicht vom Fleck kommt). Die drei waren aber gar nicht so kurz in der Band – Markus seit Anfang 2005, Tim seit Ende 2005 und Anastasia seit Herbst 2006. Neben der Promotion für das Album sind wir also zur Zeit mit der Suche nach neuen Musikern beschäftigt, denn fortfüh-ren wollen wir Elvenpath auf jeden Fall. Cris und ich gehören, wie du richtig erkannt hast, zur Urbesetzung und werden alles tun, um Elvenpath nicht sterben zu lassen.

6. Wie läuft's bei Liveauftritten mit Anastasia? Sie war dabei sicherlich der Bandblickfang, ebenso kann ich mir vorstellen, daß der eine oder andere „Ausziehen“ – Zwischenruf aus dem Publikum hallte.


Optisch war Anastasia auf jeden Fall ein besonderer Gegenpol zu den anderen Hackfressen in der Band, haha. Obszöne Zwischenrufe gab’s eigentlich nicht, aber die Herren konzentrierten sich doch stark vor ihrer Seite der Bühne, hehe. Wir haben sie aber nicht als Blickfang engagiert sondern als Musikerin, und da hat sie einiges drauf. Wir bedauern ihren Ent-schluß, die Band zu verlassen, aber sie ist sehr beschäftigt mit ihrer eigenen Band Arven – lohnt sich, mal reinzuhören und -schauen, denn die Truppe besteht fast ausschließlich aus hübschen Damen, hehe.

7. Andererseits gab's auch einige kritische Stimmen zu Tims nicht ganz perfekter Gesangsleistung vor allem auf dem Album.


Da gab’s in der Tat einiges zu lesen, aber ich kann das nicht wirklich nachvollziehen. Ich finde, Tim hat gute Arbeit geleis-tet, ich mag den Gesang auf dem Album. Möglicherweise hätte manches noch besser sein können, aber die teilweise recht harsche Kritik finde ich nicht gerechtfertigt.

8. Bleiben wir gleich bei „Spyrol“, was bedeutet der Titel, sicherlich so’n selbstgezimmertes Fantasywort Eurerseits?


Das ist ein Wortspiel, bestehend aus „spiral“ und „pyro“. Es bedeutet also eine Feuerspirale, die auch auf dem Cover zu sehen ist. Sie ist eine Metapher für viele Mißstände in der Welt – Krieg, Verfolgung, Katastrophen etc. -, die überall pas-sieren, und die Spirale dreht sich endlos weiter, denn wenn irgendwo etwas wieder ins rechte Lot gerückt wurde, geht es woanders los. Das sind auch die Themen, von denen die Texte handeln. Wir haben uns diesmal textlich eher auf reale Themen konzentriert und über Geschehnisse in der Welt geschrieben, die uns inspiriert haben. Schlußendlich gibt es sogar noch einige Songtitel, die mit Feuer zu tun haben („Burning skies“, „Angel of fire“, ein weiterer Song namens „Enflaming demands“ flog während der Produktion von der Platte, da wir ihn als nicht gut genug beurteilten – wir werden ihn wohl überarbeiten und auf die nächste Platte packen).

9. Auch textlich tobt Ihr Euch z.T. weiterhin auf dem Fantasyterrain aus bzw. Du als Bandtexter.


Wie gesagt haben wir diesmal eher Texte mit realem Hintergrund geschrieben und mit „Angel of fire“ nur einen Fantasytext auf der Scheibe. Da haben wir dafür auch gleich genügend Klischees reingepackt, daß es auch für ein Album gereicht hätte, hehe. Es kann aber gut sein, daß das nächste Album wieder mehr Fantasy enthält, da wir uns da weiterhin keine Grenzen auferlegen. Es existieren schon einige fertige Songs, und da ist wieder alles mögliche vertreten. Man kann mit Elvenpath also sowohl in fremde Welten abtauchen als auch Geschehnisse aus unserer Welt durchleben. Um die Texte für den Hörer verständlich und nachvollziehbar zu halten, haben wir im Booklet jeweils eine kleine Anmerkung dazu abgedruckt.

10. Ebenso bist Du Hauptkomponist, die anderen beteiligten sich lediglich an „Late at Night“. Die Credits für das sti-listisch etwas anders klingende „The Mask of Sorrow“ dagegen strich eine Dame namens Kosma Banika ein und das progressive Schlußinstrumental „Act the Innocent“ wuchs auf dem Mist eines Heinrich Greiner, der auch einige Solos beisteuerte.


Die Namen erzählen ein wenig unsere Besetzungsgeschichte der letzten Jahre…Kosma war der erste Sänger (nicht Sängerin! – es ist eigentlich ein griechischer Männername, auch wenn Nina Hagens Tochter ebenfalls so heißt), der nach dem Auseinanderbrechen der „Gateways“-Besetzung zu uns stieß. „The mask of sorrow“ hatte er geschrieben, lediglich der Text ist von mir. Nach ein paar Gigs stieg er aber wieder aus und wurde dann von Tim ersetzt. Ebenso war Heinrich unser Gitarrist, der zur gleichen Zeit neu in die Band kam. Er schrieb ebenfalls Stücke für die Band, spielte die Platte mit ein und ging mit uns auf Tour, dann war seine Zeit bei Elvenpath beendet, und er wurde von Anastasia ersetzt.

11. Weitere Gäste hören auf den Namen Dirk Zapp und Tomo Sljevac.


Dirk ist ein Kumpel und guter Gitarrist, der uns mit ein paar Soli aushalf, als Heinrich weg und Anastasia noch nicht da war. Tomo Sljevac sowie Monika Malusic sind ebenfalls Kumpels, die uns den kroatischen Dialog bei „Angel of fire“ gesprochen haben, da wir das natürlich nicht konnten. Warum ich da unbedingt kroatisch haben wollte, ist ein kleines Geheimnis, hat aber mit dem Text zu tun. Wer es rausfindet, kriegt ein Bier spendiert, haha.

12. Wer sorgte für den dezenten Keyboardteppich?


Das hat Tim eingespielt. Im Gegensatz zu früher haben wir ja die Keyboards deutlich reduziert, daher wollen wir keinen festen Keyboarder und werden auch künftig nur hier und da mal Keys auf Platte einsetzen. Live fallen sie ohnehin völlig raus.

13. Insgesamt tönt das Album doch recht abwechslungsreich, trotzdem meinen einige Kritiker, es sei durchschnittlicher 80er Jahre Teutonenmetal. Na gut, daß early Helloween oder auch Blind Guardian zu Deinen oder Euren großen Vorbildern zählen, ist wohl nicht zu leugnen, man höre nur „Angel of Fire“ oder „Burning Skies“ Und die geile über 10 min Ballade spricht wohl eher gegen eine Bezeichnung wie Durchschnitt.


Danke für die schönen Worte. Ich bin mit dem Album wirklich zufrieden und finde das Material durchgehend sehr gut, daher muß ich Vorwürfe wie „Durchschnitt“ wohl akzeptieren, kann ihnen aber natürlich nicht zustimmen. Ich glaube, für Bands, die diesen melodischen Power Metal spielen, ist die Situation schwierig, wenn sie nicht krampfhaft versuchen, das Rad neu zu erfinden. Aber wir sind nun mal von Blind Guardian, Helloween, Hammerfall etc. beeinflußt, wir lieben diese Bands und wollen diese Musik machen. Wir kopieren keine anderen Bands, aber wir verstecken unsere Einflüsse auch nicht. Und da etwas vollkommen Neues zu kreieren ist fast unmöglich, denn auf sechs Saiten und 24 Bünden kann man nur eine begrenzte Anzahl von Akkorden und Riffs spielen, und da ist schon nahezu alles abgegrast. Aber die Ak-zeptanz ist da bei manchen Kritikern recht gering – sobald man sich von Blind Guardian beeinflußt zeigt, wird man als Klon abgetan. Wenn dagegen Ram, Metal Inquisitor oder Cast Iron (die ich alle sehr gut finde) ebenso unoriginell nach Priest oder Running Wild klingen, finden es dagegen alle geil. Aber so ist das wohl.

14. Wie würdest Du denn durchschnittlicher 80er Teutonenmetal definieren? Also für mich wären typisch 80er Teu-tonenmetal auch die alten Noisehunter, Grave Digger, Gravestone, Tyrant oder auch Warrant.


Beim diesem Begriff fallen mir auch in erster Linie Bands wie Accept, Veto oder die von dir genannten ein. Eben ziemlich erdige, stampfige Musik, das war ja schon sehr prägend für die deutsche Szene. Andererseits wird aber eben auch der melodische Speed, wie ihn Helloween erfunden haben, von vielen als typisch deutsch angesehen, da hat eben jeder seine Meinung. Und Stilbezeichnungen gibt es ja in Hülle und Fülle – man denke nur an „Symphonic Epic Hollywood Metal“, hehe.

15. Was steht bei Euch im Vordergrund, geht es vorrangig um die Musik oder spielen die Texte eine große Rolle, oder…?


Die Texte sind nicht unwichtig, wir versuchen immer, da auch interessantes zu bieten, aber die Musik hat ganz klar Priori-tät. Ich freue mich immer, wenn eine Band neben der Musik noch andere interessante Aspekte zu bieten hat, z.B. ein interessantes Konzept, durchdachte Texte oder eine gute Bühnenshow. Aber die Hauptsache für eine Band sollte immer die Musik sein, und wenn die nicht stimmt, ist der Rest eigentlich unwichtig. Wobei ich diese Aussage insofern relativieren muß, daß ich auch ein paar CDs in der Sammlung habe, wo mir die Musik nicht so gut gefällt, ich die Texte aber heraus-ragend finde.

16. Was waren es überhaupt für Träume bzw. Vorstellungen, als Du damals mit Elvenpath startetest und inwieweit hat es sich bis jetzt erfüllt?


Träume hat man immer, und die habe ich auch nicht aufgegeben. Eigene Musik veröffentlichen, touren, auf Festivals spielen und als Höhepunkt ein eigenes Japan-Livealbum, hehe. Vom großen Geld hingegen habe ich nie geträumt. Die Sache hat sich weniger positiv entwickelt, als ich anfangs gehofft hatte, aber manches hat auch geklappt, z.B. die Tour mit Skyclad. Aber ich habe immer noch Spaß an der Musik und kann mir nicht vorstellen, ein Leben ohne Elvenpath zu führen. Auch wenn wir kleine Brötchen backen, werden wir daher auf jeden Fall weitermachen. Das Japan-Livealbum wäre aber trotzdem toll…

17. Mal ganz ehrlich, was ist Dein Eindruck von unserer gegenwärtigen Metalszene, was sowohl von Business- als auch Fanseite her gut als auch totale Scheiße?


Überwiegend finde ich die Szene sehr gut, denn es gibt zahlreiche gute Bands, es werden viele gute Alben veröffentlicht und es finden zahlreiche Konzerte statt. Man darf nicht vergessen, daß die Metalfans vieler anderer Länder neidisch zu uns rüberschauen, weil es bei ihnen dieses Angebot nicht gibt. Allerdings hat das natürlich auch den Nachteil, daß der Fan heillos überfordert ist, da so viele Bands um seine Gunst buhlen, daß er gar nicht mehr weiß, wo er seine Kröten ausgeben soll. Vielleicht wäre es gut, wenn die Szene mal etwas schrumpfen würde, andererseits bemühe ich mich ja auch, mit Elvenpath alles weiter zuzuspammen, also woher hätte ich das Recht, anderen ihre Aktivitäten zu untersagen? Schon in den 80ern tauchte ja der Begriff „Gesundschrumpfung“ auf, aber seitdem ist eher das Gegenteil der Fall, was aber auch nicht verwundert: Es gibt den Metal immer länger (mittlerweile knapp 40 Jahre), alte Bands sind immer noch aktiv oder reformieren sich, neue Bands stoßen dazu. Es gibt mittlerweile halt nicht mehr nur eine Generation von Metalmusikern sondern deren zwei oder gar drei, daher wächst die Szene immer weiter an. Damit verbunden sind dann sinkende Verkäufe und Zuschauerzahlen, da sich das Geld der Fans auf mehr und mehr Bands verteilt. Hierin (und nicht im verteufelten Medium Internet) sehe ich die Ursache für die Umsatzeinbußen, die viele ältere Bands beklagen. Sie werden heutzutage mit einer für sie ungewohnten Situation konfrontiert, denn in den 80ern gab es einfach noch deutlich weniger Bands. Oft schieben sie es dann aufs Internet, aber ich kenne kaum Fans, die sich nichts mehr kaufen, weil sie alles umsonst aus dem Netz bekommen. Die meisten Fans kaufen immer noch die Originale, da sie eine „richtige“ CD mit Cover, Booklet etc. wollen. Nur ist es eben heutzutage keine Selbstverständlichkeit mehr, daß man sich jedes Album jeder Band, die man mag, kaufen kann.
Der Fan entscheidet aber immer noch selbst, wofür er sein Geld ausgibt, und wer über schlechte Verkäufe jammert, sollte sich vielleicht einfach mal fragen, warum die Leute nicht seine Platten kaufen sondern die einer anderen Band. Und wem die Zuschauer beim Konzert wegbleiben, der kann reflektieren, ob vielleicht der Eintrittspreis zu hoch ist oder die Spielzeit auf der letzten Tour zu mager. Alles in allem wird viel geboten, und man kann sich wirklich nicht über einen Mangel an guten Konzerten und Veröffentli-chung beschweren. Ich finde es nur schade, wenn beispielsweise junge Fans sich gar nicht mehr die Mühe machen, die Szene zu entdecken sondern einfach alles schlucken, was große Labels (und mit ihnen große Magazine, die eher als Kataloge der geldgebenden Labels fungieren) als essentiell anpreisen. Ebenso schade finde ich das andere Extrem; bornierte Gralshüter, die mit Brett vor dem Kopf alles anbeten, was kein Mensch kennt und deswegen logischerweise genial sein muß. Aber im Endeffekt kann jeder hören, was ihm gefällt, und da haben wir wieder die positive Seite des Überflusses, in dem wir leben. Wenn in Ägypten Metalfans wegen langer Haare und schwarzer Shirts hinter Gitter wandern oder indonesische Fans jahrelang sparen müssen, um einmal nach Deutschland fliegen und das Wacken Open Air erleben zu können, sollten wir hier wirklich dankbar sein, daß wir unserer metallischen Leidenschaft so problemlos nachgehen können, statt auf stark erhöhtem Niveau zu jammern.

18. Noch mal Thema live on Stage: Wie schaut's in der Richtung aus? Hauptsächlich im Mainhattener Großraum oder auch weiter darüber hinaus?

Hauptsächlich im Raum Frankfurt, aber auch ein wenig darüber hinaus. Die Skyclad-Tour hat uns erstmalig nach Belgien und Holland geführt, und da kamen wir ziemlich gut an, so daß wir da auch gerne öfter spielen würden. Auch in Thürin-gen und Sachsen lief’s für uns soweit recht gut. Ich hoffe, daß wir 2009 wieder mehr live spielen können, vor allem auch jenseits der hessischen Grenzen, denn hier ist der Underground nicht besonders aktiv, die Fans gehen kaum zu Konzerten etc., was wirklich schade ist. Daher spielen wir hier nur etwa alle drei Monate, alles andere wäre eine Überfütterung der Szene.

19. Eigentlich hätten Elvenpath ja mal einen Platz im Headbangers Open Air-Billing verdient, schließlich hältst Du der kultigen Metalgartenparty als Gast seit Jahren die Treue. Bei dieser Gelegenheit wurde Veranstalter Thomas sicherlich auch jedesmal ein Exemplar der neusten CD zugesteckt. Also, zumindest als Opener einer der drei Tage wäre ja wohl drinne, wenn's nach mir ginge.


Wenn es nach mir ginge, würden wir headlinen, haha. Nee im Ernst, wir haben uns natürlich immer wieder beworben, aber bislang ging da nichts. Vielleicht ist das HOA auch schon zu groß? In den letzten Jahren hat das Festival ja deutlich größere und professionellere Formen angenommen und ist immer bekannter geworden, weshalb sicherlich auch die Bandbewerbungen zugenommen haben. Es wäre aber natürlich schön, wenn wir eines Tages doch mal dort spielen könnten. Daumen drücken…

20. Wenn's nächstes Jahr wieder nicht klappt, müssen alle fünf Bandmitglieder mal hinfahren und Thomas beknien. Eigentlich wäre ein Event wie das HOA sowieso Pflicht für die anderen Bandmitglieder, nicht nur jedesmal Dich als Abgesandten hinschicken.


Naja die anderen sind nicht so die Festivalgänger. Vielleicht schaffe ich’s ja mal, den einen oder anderen dazu zu kriegen, und vielleicht sind auch die Musiker der kommenden Besetzung eher dafür empfänglich. Ansonsten fahre ich eben wieder als einziger hin, denn ich fahre liebend gerne auf Festivals und stehe nach wie vor sehr aufs HOA, auch wenn es meiner Ansicht nach 2008 schon ein Maximum an Besuchern erreicht hat. Mehr dürfte da nicht mehr sein, sonst befindet sich die Chose auf dem besten Weg, sich schrittweise einem anderen sehr bekannten norddeutschen Festival anzunähern, und das will sicherlich keiner der Besucher.

21. Und Co-Veranstalter Jürgen vertickert sicherlich „Spyrol“ wie zuvor schon „Gateways“ bei Hellion. Noch andere Undergroundmetaldealer, die Eure CDs anbieten?


In Deutschland wird die CD bei Hellion und Pure Steel vertrieben, in Griechenland bei Secret Port und Eat Metal, in Frankreich bei Emanes Metal und in den USA bei CD Baby und Sentinel Steel. Wir sind aber immer auf der Suche nach weiteren Vertriebswegen, um unsere Musik unters Volk zu bringen.

22. Wie läuft „Spyrol“ bisher überhaupt? Wie hoch ist die Auflage und inwieweit bereits reduziert?


Wir haben 1000 Stück pressen lassen und bislang läuft es ganz ok. Ich weiß nicht genau, wie viele bereits weg sind, aber ca. 250 Stück haben wir bislang verkauft (sowohl selbst verkaufte als auch an Händler abgegebene).

23. Du sagtest im Inti von Ausgabe # 15 Juni 2004, von „Gateways“ wurden 2.000 Stück gepreßt und in zehn Jahren wird das Teil wohl noch nicht ausverkauft sein. Wie ist derzeit der Stand der Dinge?


Von „Gateways“ haben wir noch etwa 300-400 Stück. Die Scheibe lief doch besser als erwartet. Daher halte ich es durchaus für möglich, daß die CD nach zehn Jahren doch komplett weg sein wird, allerdings sind die Verkäufe in letzter Zeit natürlich stark zurückgegangen, weil die Konzentration eher auf dem neuen Album liegt.

24. Gingen auch einige Exe ins Ausland? Von „Gateways“ liefen damals ja einige Songs sogar im chilenischen Rund-funk.


Ja, wir hatten für „Gateways“ sogar einen offiziellen Vertrieb bei Dark Music Productions aus Portugal, die uns damals übrigens auch die Skyclad-Tour besorgt haben. Mittlerweile gibt es das Label nicht mehr, glaube ich. Auch in den USA, Japan und Griechenland haben wir einiges verkauft.

25. Was geht sonst so in Frankfurt ab? Jetzt wo es mit den Onkels endlich vorbei ist, habt Ihr wohl nur noch Tankard vor Euch oder welche weiteren Metalbands gibt's dort?


Es gibt hier im Raum Frankfurt eine ganze Reihe Bands, aber wenig Bekanntes. Weitere Heavy/Power Metal-Bands sind Rebellion, Lightmare, Songan Tyee, Castle Well, Fierce und Dragonsfire. Thrasher stehen natürlich auf Tankard, aber auch auf Abandoned, Betrayed, Eternal Pain, Bizzarred oder Braindeadz. Wer es progressiv mag, wird mit Everfest, Amy-ris, Concept Insomnia oder auch Synchronic gut bedient sein. Freunde symphonischer oder gotischer Klänge werden Arven und Opalessence schätzen. Death Metaller gehen auf Konzerte von Unheil, Pyometra, Epicedium, Karambole und Samax. Black Metaller leben ihren Menschenhaß bei Fenfire, Satanic Wizard, Skidbladnir, Dragonlords und Asaru aus. Im Pagan Metal-Bereich gibt es Nemesis und Taunusheim. Und wer keine Berührungsängste mit etwas moderneren Klängen hat, dem könnten Courageous oder Conjuring gefallen.

26. Hätte ich nicht gedacht, daß es so viele Metalbands im Frankfurter Raum gibt. Welchen Jobs & Co gehen alle Bandmitglieder überhaupt nach, Elvenpath ist ja lediglich eine Freizeitbeschäftigung.


Cris und ich sind beide von Beruf Sozialarbeiter, wir haben uns auch seinerzeit im Studium kennengelernt. Er arbeitet in einem Jugendzentrum und ich beim Jugendamt. Was die Mitglieder der letzten Besetzung angeht: Anastasia ist Studen-tin, Markus arbeitet als Hausmeister und versucht derzeit, seine Fachhochschulreife nachzumachen, und Tim lebt als einziger von der Musik: Er arbeitet freiberuflich als Tontechniker und singt in einer gutbezahlten Coverband.

27. So, kurz vorm Abschluß wollen wir auch Deine Allltime-Top Ten-Alben wissen, als MO-Stammleser warst Du sicherlich darauf eingestellt, daß dieses kommt.


Das ist verdammt schwierig, und die Liste unterscheidet sich ein wenig von dem, was ich beim ersten Interview vor sechs Jahren genannt habe. Um möglichst viele Bands zu berücksichtigen, werde ich auf Mehrfachnennungen verzichten. Schwierig genug ist es trotzdem, aber ich versuche es:
1) Dissection – Storm of the light’s bane
2) Nightwish – Wishmaster
3) Manowar – Kings of Metal
4) Fates Warning – Awaken the guardian
5) Blind Guardian – Imaginations from the other side
6) Empyrium – Songs of moors and misty fields
7) Bathory – Hammerheart
8) Iron Maiden – Seventh son of a seventh son
9) Hammerfall – Glory to the brave
10) Loreena McKennitt – The book of secrets
Dürfte ich noch 90 weitere Alben aufzählen, fiele mir das leichter, aber mit der genannten Auswahl könnte ich schon eine Weile gut überleben.

28. Zum Schluß letzte Worte, was wichtiges, das eventuell übergangen wurde.


Meine Lieblingsalben Nr. 11-100 lauten…nee, paßt schon. Vielen Dank an euch für eure kontinuierliche Unterstützung und das Interview! Wir grüßen alle Leser des Metal Obsession und laden euch ein, mal auf www.elvenpath.com und www.myspace.com/elvenpathmetal vorbeizuschauen. So lange sich die Fans für den Underground interessieren, wird der Metal nicht sterben. Power Metal ist Krieg!

29. Tja, dann danke für die geopferte Zeit und man sieht sich wohl spätestens näxtes Jahr wieder beim HEADBANGERS OPEN AIR. Kannst dann bei TANKARD mitfahren, spielen dort ja auch.


Ja beim HOA werde ich auf jeden Fall wieder aufschlagen, zur Not hänge ich mich an den Tankard-Bus dran. Bis dahin trainiere ich schon mal die Leber, denn die Jungs sind echte Partysäue, die ihr Image leben. Ich freue mich schon jetzt drauf. Bis dann, stay Metal!

The Holgman