Wir starten natürlich klassisch mit der Bandgründung. Was gab den Ausschlag eine Band zu gründen, wie seid ihr untereinander in Kontakt gekommen etc.

Puh, das geht ja wirklich bei Ask und Embla los, hehe. Nun, ich habe seit meinem 15. Lebensjahr hingebungsvoll in irgendwelchen Kapellen gelärmt, weil Musik (insbesondere die der härteren Gangart) schon immer meine große Liebe war. Das waren aber eher die üblichen ersten Versuche und brachte nichts Nennenswertes hervor. Am liebsten wollte ich aber was in Richtung Power Metal machen, da das einfach meine Lieblingssteelrichtung ist. Als ich mit 21 nach Frankfurt zog, gab es da aber keine derartige Band, die einen Gitarristen suchte, also mußte ich versuchen, eine Band zu formieren. Das klappte teilweise eher schlecht als recht, wir fanden lange keinen Proberaum etc.; aber im Winter 2001/02 waren Elvenpath dann geboren.
Die Urbesetzung bestand aus Michael (v/g), Martin (d), Peter (key), Christian (b) und mir. Peter und Cris kannte ich aus dem Studium, während ich Michael und Martin irgendwann mal im Speak Easy – Frankfurts bester Metalkneipe – kennengelernt hatte.

War das zu Anfang nicht heftig, all die verschiedenen Einflüsse und Vorlieben der Bandmitglieder unter einen Hut zu bringen ?

Eigentlich nicht, da die musikalische Ausrichtung bereits im Vorfeld klar war. Natürlich bringt jeder andere Einflüsse mit, aber das Grundrezept stand von vornherein fest, und auch die ersten paar Songs waren schon vor der Gründung geschrieben. Allerdings zeigte sich dann doch, daß nicht jeder mit der musikalischen Linie glücklich war, weshalb dann irgendwann auch die ersten Umbesetzungen kamen.

Ihr hattet über die Jahre einige Line-Up-Wechsel. Auch jetzt seid ihr wieder auf der Suche nach einem Drummer. Wie kommt`s und keine Angst das euch das wieder zurück wirft ?

Die musikalischen Differenzen habe ich ja eben schon angeschnitten, die waren auch meistens der ausschlaggebende Grund. Mitunter gab es aber auch Probleme auf persönlicher Ebene, z.B. bei der Trennung von unserem letzten Schlagzeuger. Elvenpath ist eine Band mit einer klaren musikalischen Ausrichtung, darüber hinaus verlangt sie dem einzelnen Musiker eine Menge Einsatz, Zeit und Hingabe ab, ohne in finanzieller Hinsicht etwas zurückzugeben. Man muß bereit sein, lediglich der Musik zuliebe eine Menge auf sich zu nehmen, und da streckte mancher schon die Waffen. Mit der jetzigen Besetzung bin ich aber sehr glücklich, wenn man davon absieht, daß wir immer noch keinen festen Drummer finden konnten.

Beschreibe mal dich und deine jetzigen Bandkollegen.

Vier kaputte Langhaarige mit etwas schrägem Humor und einer unverbesserlichen Liebe zum Heavy Metal, die ihre Musik sehr ernst nehmen, sich selbst umso weniger. Dragutin ist die strahlende Goldkehle an der Front, Oliver der mitunter etwas weltfremde Saitenzauberer, der vermutlich schon mit der Gitarre in der Hand geboren wurde, Cris der – wie könnte es beim Bassisten anders sei – ruhige Pol in der Band und ich der Vereinsvorstand, der verzweifelt versucht, den Haufen irgendwie vorwärts zu bringen, haha.

Mit welchen Tätigkeiten müsst ihr euch noch zwecks Brötchenerwerb rumärgern ?

Cris und ich sind beide Sozialarbeiter – ich hatte ja bereits erwähnt, daß wir uns vom Studium her kennen. Oliver ist Grafiker und Dragutin arbeitet beim Sicherheitsdienst am Flughafen.

Was sind eure musikalischen Vorbilder ?

In erster Linie kann man hier die üblichen Verdächtigen aufzählen. Iron Maiden, Helloween, Manowar, Judas Priest und Konsorten – das sind unsere Haupteinflüsse, die wir allesamt sehr verehren. Dazu kommen einige progressive Bands wie Fates Warning, Ivory Tower und Dream Theater, aber auch Folk, Klassik und andere Richtungen. Ich würde hier auch nicht unbedingt von Vorbildern sprechen, da wir uns beim Komponieren nicht bewußt an bestimmten Bands orientieren. Aber man wird natürlich von allem beeinflußt, was man sich so anhört, und da haben manche Bands schon deutliche Spuren hinterlassen.

Wie würdet ihr euere Band jemandem beschreiben der noch nie von euch gehört hat ?

Generell vertrete ich das Motto „Let the music do the talking“ und würde die Person daher einfach auf unsere Myspam-Seite verweisen, wo man neben einigen älteren Songs auch das neue Album komplett anhören kann. Aber wenn der Mensch vorher etwas wissen will, würde ich ihm vermutlich etwas von traditionellem, melodischem Power Metal erzählen. Hart, schnell aber melodisch. So in Richtung Maiden, alte Guardian, alte Helloween, Manowar…kennste, oder? Na also.

Die 10 besten Alben aller Zeiten sind…

…unsere beiden bisherigen und unsere nächsten acht Alben, haha. Aber vermutlich ist dir eine persönliche Top Ten meinerseits lieber. Ist nicht einfach, aber unter Verzicht auf Mehrfachnennungen und ohne bestimmte Reihenfolge nenne ich mal:
1) Dissection – Storm of the light’s bane
2) Nightwish – Wishmaster
3) Manowar – Kings of Metal
4) Fates Warning – Awaken the guardian
5) Blind Guardian – Imaginations from the other side
6) Empyrium – Songs of moors and misty fields
7) Loreena McKennitt – The book of secrets
8) Iron Maiden – Seventh son of a seventh son
9) Running Wild – Black Hand Inn
10) Candlemass - Nightfall

Wie lange dauerte das Songschreiben für „Elvenpath“ ?

Das kann ich nicht so genau beantworten, da die Songs in Etappen entstanden. Es sind ganz neue Stücke dabei, aber manche sind auch schon ziemlich alt und kamen nie zu Veröffentlichungsehren. „Moria“ und „Cellars of doom“ haben wir bereits 2004 live gespielt, aber sie wurden nie aufgenommen, obwohl sie es verdient hätten. „Enflaming demands“ war schon für das letzte Album vorgesehen, gefiel uns dann aber doch nicht so recht, wurde nochmal kräftig überarbeitet und klingt jetzt so, wie es sollte. Und „Guardians of the underground“, „Into the future“ und „For our liberty“ sind irgendwann nach den Aufnahmen zu „Spyrol“ entstanden. Beim letzten Album haben wir neue Songs bevorzugt, dieses Mal wollten wir aber mit der Vergangenheit reinen Tisch machen und die Archive aufräumen. Dazu gehört auch unsere „Truelogy“, die sich ebenfalls ziemlich ausdehnte. Der erste Teil („Metalwar“) wurde geschrieben, noch bevor es Elvenpath überhaupt gab. 2004 kam dann „War of steel“ dazu, und „Metalsteel“ ist wirklich neu. Wir wollten die drei Songs aber zusammenhängend veröffentlichen, weshalb die beiden ersten Stücke auch recht lange in der Schublade lagerten.

Was sind deine Favoriten auf dem Album und warum ?

Ehrlich gesagt liebe ich das Album wirklich komplett und bin sehr stolz darauf. Da fällt es schwer, einen oder mehrere Favoriten zu nennen. Vielleicht „War of steel“, weil der uns am meisten Arbeit gemacht hat. Insbesondere die aufwendigen Gesangsparts waren eine echte Herausforderung und haben uns (und natürlich vor allem Dragutin) im Studio böse schwitzen lassen. Aber das Ergebnis ist wirklich glorreich geworden und läßt mir beim Hören regelmäßig die Unterhose platzen, haha.

Im Rock Hard gab es 8 Punkte. Seid ihr insgesamt mit den Reaktionen auf das Album zufrieden. Im Gegensatz zu anderen ist in euerer Metal-Oper ist wenigstens Metal drin.

Die meisten Kritiken waren positiv und die Reaktionen des Publikums fallen ebenfalls gut aus. Viele haben sich sogar regelrecht begeistert geäußert, insofern können wir wirklich zufrieden sein. Das ist nach all der Mühe natürlich eine echte Genugtuung. Wir haben eine Metaloper? Hm, das wußte ich ja noch gar nicht, hehe. Aber unsere „Truelogy“ ist natürlich soviel Metal wie nur geht, und das polarisiert natürlich. Mancher fand sie einfach nur schrecklich, andere liebten sie ganz besonders – ein Fan schrieb mir sogar, daß er diesem Teil des Albums 25 von 10 möglichen Punkten geben würde! Aber zu polarisieren ist mir zigmal lieber, als irgendwo im „Ja, ziemlich gut, schon ok“-Mittelfeld zu landen, denn da befinden sich schon viel zu viele Bands.

Gibt es schon erste Verkaufszahlen ?

Damit kann ich nicht dienen, da wir eine Menge Exemplare an verschiedene Vertriebe und Mailorders geliefert haben und ich über deren bisherige Verkäufe nichts genaues weiß. Aber insgesamt werden wohl so ein paar hundert Stück weggegangen sein.

Welche Erwartungen hast du an deine eigene Musik ?

Wir haben das klare Ziel, ausschließlich hervorragenden Metal zu veröffentlichen. Ob das gelingt, muß das Publikum beurteilen. Aber wir möchten uns in unserem selbstgewählten steelistischen Rahmen immer weiterentwickeln und verbessern, immer bessere Songs schreiben, um stolz auf unsere Arbeit sein zu können. Die eigene Zufriedenheit ist also erstmal am wichtigsten, aber natürlich freuen wir uns, wenn die Musik auch von Außenstehenden gut angenommen wird. Ich glaube, wir haben mit dem aktuellen Album schon ein Niveau erreicht, das sich wirklich hören lassen kann; gleichzeitig glaube ich aber auch, daß da noch mehr geht. Wir basteln bereits an Songs für das nächste Album, und ich wage zu behaupten, daß dieses für uns nochmal einen großen Schritt nach vorne bedeuten wird.

Wie viele Songs schreibt ihr, die ihr dann nie wieder spielt, weil ihr denkt das die Müll sind ?

Wenn beim Schreiben klar wird, daß ein Song nicht gut wird, landet er sofort in der Tonne. Durchschnitt dulden wir nicht in unserem Repertoire. Ich bin auch nach wie vor von allen Stücken, die wir je veröffentlicht haben, überzeugt. Allerdings hatten wir auf unseren beiden Demos noch zu wenig Erfahrung mit Arrangements, und auch die Produktion war nicht so toll. Man hätte aus den Songs noch wesentlich mehr herausholen können. Aber die Kompositionen selbst können auch heute noch überzeugen. Wir sind also keine Band, die 50 Songs schreibt, dann zehn aufs Album packt und den Rest wegwirft. Wir basteln lieber an den wirklich vielversprechenden Ideen, bis sie zu würdigen Elvensongs geworden sind. Und hinter diesen stehe ich auch heute noch ausnahmslos.

Ihr habt bei Kai Stahlenberg in den Kohlekeller –Studios aufgenommen. Da habt ihr ja schon Erfahrungen gesammelt; Wie lief es diesmal ? Reichte die Zeit im Studio aus ? Wie teuer war die Produktion ? Zu dem Sound, der nach Live-Auftritten ruft, kann man euch nur gratulieren.

Vielen Dank, ich bin mit dem Sound ebenfalls sehr glücklich. Ich finde sogar, er könnte kaum besser sein. Wir haben ja bereits unser letztes Album im gleichen Studio mit dem gleichen Produzenten aufgenommen und sind wiedergekommen, weil wir so zufrieden waren. Auch diesmal lief es wirklich gut. Die technischen Bedingungen und das Equipment im Kohlekeller sind absolut hochwertig, der Preis trotzdem erschwinglich, und Kai versteht es, aus einer Band das Optimum herauszuholen. Man kann mit ihm streßfrei und gleichzeitig zielorientiert arbeiten, er ist das wichtige externe Ohrenpaar, das eine Band einfach braucht. Insgesamt haben wir etwas mehr als zwei Wochen aufgenommen und eine knappe Woche gemischt. Von der ersten aufgenommenen Note bis zur fertig gepreßten CD haben wir rund 7000,- € auf den Tisch gelegt – Aufnahmen, Cover, Fotos, Pressung, da kommt ganz schön was zusammen. Aber jeder einzelne Euro war es wert.

Das Cover vereint etliche Metal-Klisches und wirkt trotzdem (oder deswegen) sehr gut. Kanntet ihr die Arbeiten vom Acyrlator (Markus Vesper) u. a. Manilla Road, Kraze, Warcry schon vorher ?

Klar, auf Markus sind wir schon einige Jahre zuvor gestoßen. Wir mochten einige Cover, die er für andere Bands gezeichnet hatte, daher fiel unsere Wahl für das neue Album auf ihn. Das Konzept für das Cover haben wir uns ausgedacht, Markus hat es dann nach unseren Wünschen angefertigt. Ich finde, er hat ganz hervorragende Arbeit geleistet. Es ist auch das erste Mal, daß ich mir aufgrund des Covers wünschen würde, daß das Album auf Vinyl erscheint.

Gibt es schon Tour-Daten oder sucht ihr erst einen neuen Drummer ? Festival-Auftritte könnten euch auch einen großen Popularitätsschub geben., gibt es diesbezüglich schon Anfragen ?

Die Drummersuche hatte bislang leider nur Frustration als Ergebnis. Hier in Frankfurt sind Schlagzeuger entweder nicht an Power Metal interessiert, unfähig oder zu beschäftigt, um bei uns einzusteigen. Daher spielen wir erstmal mit einem Aushilfsdrummer weiter. Für 2012 sind bereits eine Reihe Gigs bestätigt und wir arbeiten auch an weiteren Optionen. Schaut einfach mal öfters auf unserer Homepage vorbei, dort erscheinen sämtliche Gigs, sobald sie festgezurrt sind. In Sachen Festivals sind wir für das Taunus Metal Open Air Anfang Juli bestätigt. Mehr Anfragen gab es bislang leider noch nicht, obwohl wir uns wirklich viel beworben haben. Aber vielleicht klappt ja noch etwas. Wir würden auf jeden Fall gerne mehr auf Festivals spielen.

Mit welcher Band würdet ihr gerne mal die Bretter teilen ?

Klingt es vermessen, wenn ich jetzt Iron Maiden sage? Hm, vermutlich schon…außerdem würde das musikalisch nicht passen, da bei Maiden in der Regel nur Gurkentruppen wie Bullet For My Valentine oder Trivium ins Vorprogramm dürfen. Richtig Bock hätte ich aber auf eine Tour mit Sabaton. Die Jungs sind ziemlich cool drauf, das wäre ein ziemlicher Spaß. Außerdem dürfte das Publikum auch etwas mit Elvenpath anfangen können, und die Konzerte sind immer ausverkauft. Schlußendlich bin ich selbst großer Sabaton-Fan und könnte mir dann jeden Abend nach unserem Gig ihre Show ansehen. Doch, das wäre eine feine Sache.

Da ihr schon etliche Gigs hattet dürft ihr hier von dem peinlichsten / lustigsten / ärgerlichsten Berichten.

In Sachen Pleiten, Pech und Pannen fällt mir spontan der Gig auf dem Heavy New Year Festival 2002 ein, also noch in unserer Anfangszeit. Zuerst bauten wir auf dem Hinweg einen schönen Unfall, dem zum Glück nur Blech zum Opfer fiel. Als Catering gab’s Pizza; für jede Band war das Futter exakt in dem Moment fertig, als sie auf die Bühne mußte. Da ich unsere Intro-CD vergessen hatte, mußten wir ohne Intro anfangen. Michael riß gleich beim ersten Song eine Saite, das gleiche passierte ihm beim dritten Song mit der Ersatzgitarre. Also machte er mit meiner Ersatzgitarre weiter, wo ich kurz vorher im Zustand geistiger Umnachtung eine Saite falsch aufgezogen hatte. Irgendwie retteten wir uns über die Spielzeit, und nach dem Gig ging beim Umbau noch irgendetwas bei Cris’ Verstärker zu Bruch. Es hätte eigentlich nur noch gefehlt, daß in bester Spinal Tap-Manier der Schlagzeuger auf der Bühne explodiert. Spaß gemacht hat’s trotzdem, haha.

Die letzten Worte gehören dir…

Zuerst mal möchte ich Dir für diese Möglichkeit, uns hier vorzustellen, danken. Alle Leser sind herzlich eingeladen, uns auf www.elvenpath.com zu besuchen und mal bei einem Konzert vorbeizuschauen. Außerdem möchte ich dazu aufrufen, den Underground zu unterstützen. Und damit meine ich nicht, zu den einschlägigen Festivals zu fahren und irgendwelchen vergessenen Bands aus den 80ern zuzujubeln oder blind und taub jede fünftklassige US Metal-Truppe abzufeiern. Der Underground ist überall, und auch bei euch gibt es sicherlich Bands, die sich redlich mühen. Kauft ihre Demos, geht zu ihren Konzerten, tragt ihre T-Shirts, denn sie brauchen eure Unterstützung. Stay Metal!