1. „Spyrol“ ist wirklich sehr gelungen. Die Kombination aus 80er Power Metal und heutigem European Melodic Metal kommt satt aus den Boxen. Aber kannst du mit der von mir gewählten Beschreibung überhaupt leben ? oder bevorzugst du eine andere Stilbeschreibung in Verbindung mit Elvenpath?

Ich selbst nenne unsere Musik „Melodic Power Metal”, das ist eine gute Verbindung zwischen dem traditionellen, amerikanisch beeinflußten Power Metal und den melodischeren europäischen Klängen, insofern kommt deine Beschreibung schon gut hin. Ob man jetzt Power Metal, Melodic Metal oder Heavy Metal sagt; im Grunde kann sich ja jeder grob vorstellen, was wir so machen. Für die Feinheiten gilt es dann, selbst reinzuhören. Solange wir keine Stilbezeichnung aufgedrückt bekommen, in welcher die Worte „nu”, „core” oder „alternative” auftauchen, gibt’s nichts zu meckern, haha.

2. Nun ist die Frankfurter Metalszene (plus Umgebung) ja nie unbedingt ein Garant für starken Power Metal gewesen. Ihr wollt dies ändern, aber was zählt der Prophet (also ihr) im eigenen Lande (hessisch-bayrisches Grenzgebiet ?)? Schenkt man euch Beachtung in der Hessenmetropole?

Es könnte ruhig etwas mehr sein. Als Undergroundband hat man hier gerade im traditionellen Metal keinen leichten Stand, es gibt wenig Fans, die sich für kleine Bands interessieren und auch zu Konzerten gehen. Wenn Edguy oder Rage spielen, ist die Hütte immer voll, aber als kleine Band hat man’s wirklich schwer, da können wir froh sein, wenn mal mehr als 20 Leute zum Konzert kommen. Über das Problem klagen viele befreundete Bands, aber was will man machen – wenn man in erster Linie viel Publikum haben will, muß man halt andere Musik machen und vor allem covern. Unser Weg ist steiniger, aber wir werden uns trotzdem nicht davon abbringen lassen. In Gegenden wie Holland oder Ostdeutschland haben wir übrigens deutlich bessere Reaktionen erzielen können, vielleicht sind die Leute da einfach nicht so übersättigt wie bei uns im Ballungsraum, wo wirklich viel stattfindet.

3. Ihr hattet ja in der Vergangenheit gelegentlich etwas Probleme eine feste Mannschaft zusammen zu halten. Ist die Truppe aus dem CD-Booklet noch aktuell oder seid ihr auf der Suche nach weiterer Verstärkung?

Wir suchen derzeit einen Drummer, da Markus noch während der Arbeit an „Spyrol” die Band verlassen hat. Ich hoffe, daß unser Line-Up dann mal etwas konstanter bleibt, da wir diesbezüglich in den letzten Jahren immer wieder Schwierigkeiten hatten.

4. Eine Quotenfrau habt ihr ja auch im Bandgefüge ….

Anastasia ist keine Quotenfrau, sie ist unsere Gitarristin! Quotenfrauen sind irgendwelche hübschen Damen ohne weitere Funktion, die mal aufs Keyboard drücken und ansonsten auf Bandfotos gut aussehen sollen. Wir hingegen haben eine Vollwertmusikerin in der Band, die einiges drauf hat. Wir hatten zwar nicht speziell nach einer Gitarristin gesucht, aber wenn es paßt, warum nicht?

5. Der Bandname lässt unweigerlich auf Texte aus dem Fantasybereich schließen …

Das mag naheliegen, stimmt aber nur zum Teil. Wir schreiben gerne Fantasytexte, nehmen uns aber auch anderer Themen an, die uns inspirieren. Da sind persönliche Geschichten genauso drin wie politische, historische oder auch mal reine Spaßtexte. Was wir nicht wollen ist, uns zu limitieren und auf ein Gebiet festzulegen. Auf dem neuen Album haben wir neben einer Fantasynummer beispielsweise ausschließlich realitätsbezogene Texte, aber das kann sich bei der nächsten Scheibe schon wieder ändern. Zum besseren Verständnis haben wir auch zu jedem Text eine kleine Anmerkung abgedruckt.

6. Ihr nennt eure 7-Track-CD „Spyrol“ …. Was hat es damit auf sich?

Das ist ein Wortspiel, bestehend aus „spiral” und „pyro”. Es soll also eine Feuerspirale darstellen, die als Metapher für all die Mißstände auf der Welt steht – Krieg, Unterdrückung, Fanatismus etc. Die Feuerspirale dreht sich endlos, und wann immer ein Krieg, Völkermord oder ähnliches beendet ist, geht es woanders auf der Welt weiter. Das sind die Dinge, von denen unsere Texte auf „Spyrol” überwiegend handeln, und wir haben sogar ein paar Songtitel („Burning skies”, „Angel of fire”, ein weiterer Song namens „Enflaming demands” ist dann doch nicht auf der Scheibe gelandet), die ebenfalls mit Feuer zu tun haben.

7. Mit „Northern Son“ habt ihr ein 10-Minuten-Epos am Start. Erzähl uns ein bisschen mehr darüber … und könnte es sein, dass Manowar hier durchaus als Inspiration gedient haben?

Manowar sind eine meiner absoluten Lieblingsbands und gehören zu meinen musikalischen Grundbedürfnissen, daher ist es für mich unmöglich, nicht von ihnen beeinflußt zu werden, haha. Ohne Manowar gäbe es nicht diesen epischen Anteil in unserer Musik, und der Anfang des Songs klingt ja wirklich ein bißchen nach „Defender”. In erster Linie ist der Song aber an Bathory angelehnt, denn es handelt sich um eine Hommage an Quorthon, der viel zu früh gestorben ist. Noch so eine absolute Lieblingsband von mir...ich liebe Bathory seit meinem 14. Lebensjahr, habe mich in so mancher unschönen Stunde durch Quorthons Musik aufgebaut und war deshalb auch so schockiert und betroffen, als er so plötzlich starb. Es war, als wäre ein Verwandter oder guter Freund gestorben. Ich schrieb „Northern son”, um den Schmerz zu kanalisieren und um Quorthon ein Denkmal zu setzen, daher hat das Stück dieses epische (Wikinger-) Feeling und zählt die ganzen Bathory-Titel im Text auf. Ich bin gespannt, wie es bei Bathory-Fans ankommen wird, bislang sind die Reaktionen überwiegend positiv, und einige haben auch schon geschrieben, daß es ihre Gefühle nach Quorthons Tod exakt trifft. So etwas macht mich als Songschreiber dann doch etwas stolz.

8. Beim Anfang von „Late At Night“ lässt sich eine gewisse Verneigung vor Iron Maiden hinsichtlich der Gitarrenarbeit sicherlich nicht verleugnen ….

Noch eine Band, die ich verehre, haha. Zwar habe ich an diesem Song nicht mitkomponiert, aber „Late at night” geht zumindest in den Strophen schon stark in die NWOBHM-Richtung, schön rauh. Gleichzeitig bietet es aber auch thrashige und progressive Parts, eine kleine Achterbahnfahrt für den Hörer und insgesamt auch eher untypisch für Elvenpath. Aber wir experimentieren halt auch gerne mal ein bißchen. Und Maiden – um auf die Frage zurückzukommen – sind sicherlich ein Haupteinfluß von uns, den man auch immer bei Elvenpath wird heraushören können. Wir schämen uns nicht, unsere Einflüsse zu zeigen, weshalb auch? Das sind großartige Bands, und wir lassen uns gerne von ihnen prägen.

9. Nachdem vor einigen Jahren (u.a. nach dem Erfolg von Bands wie Hammerfall) JEDE Plattenfirma zig Melodic Metal-Bands gesignt hat, scheint sich jetzt langsam die Spreu vom Weizen zu trennen. Wie siehst du die Entwicklung und was lässt dich Glauben machen, dass ihr in dieser Szene noch ein gehöriges Wort mitsprechen werdet?

Als wir nach einem Deal gesucht haben, haben wir die Erfahrung gemacht, daß die Labels bei weitem nicht so Power/Melodic Metal-vernarrt sind wie immer angenommen wird. Oder wir zählen einfach zur Spreufraktion, haha. Die Veröffentlichungsflut ist aber natürlich weiterhin enorm, und zwar bei allen Stilrichtungen. Es wird zwar immer irgendeinem Trend besonders Aufmerksamkeit in der Presse geschenkt, aber das bedeutet nicht, daß es in anderen Bereichen dann weniger Veröffentlichungen gäbe. Ich bin der Ansicht, daß diejenigen Bands überleben werden, die an sich und ihre Musik glauben und die ganze Geschichte aus Leidenschaft betreiben, denn denen machen auch leichte Rückschläge nichts aus. Wenn ich z.B. lese, daß eine Band wie Ride The Sky sich nach nur einem Album gleich wieder auflöst, nur weil die erwarteten Riesenerfolge ausgeblieben sind – da steckte dann wohl doch mehr Kalkül als Herz dahinter. Wir hingegen sind jetzt seit sechseinhalb Jahren dabei, treten erfolgstechnisch auf der Stelle und haben doch nie aufgegeben und werden das auch weiterhin nicht tun. Vermutlich werden wir nie die großen Clubs headlinen, aber wir lieben unsere Musik und werden deshalb weiter unser Ding durchziehen, auch wenn wir weiterhin vor kleinem Publikum spielen und finanziell drauflegen müssen. Vielen Dank für die Möglichkeit, uns hier vorzustellen. Bitte besucht unsere Homepages www.elvenpath.com und www.myspace.com/elvenpathmetal und tretet in Kontakt mit uns. Power Metal ist Krieg!